Podcasts im Fremdsprachenunterricht

Audioblogging im Fremdsprachenunterricht

Als Englischlehrer liegt mir natürlich der Bereich des Sprachunterrichts und die Förderung der Kommunikationskompetenzen der Schülerinnen und Schüler besonders am Herzen. Hier ist sicherlich auch der Grund zu finden, warum ich meine zweite Staatsarbeit über das Thema „Podcasting im Englischunterricht“ verfasst habe. Die Vorteile der Technik liegen meiner Meinung nach auf der Hand:

Authentizität
Es gibt eine unglaublich
CNN Daily Podcast
e Anzahl von Podcasts, die in Englisch, Französisch, Spanisch etc. erscheinen. Eine umfangreiche Liste kann mit Apples iTunes (auch für Windows kostenlos erhältlich) eingesehen werden. Der Großteil der Podcasts wird kostenlos angeboten - so ist es möglich, authentischen Audio-Inhalt (Nativespeaker!) kostenlos und aktuell in die Klasse zu holen. (siehe auch: fertige Podcasts in der Schule)

Austausch
Podcasts eignen sich zum Austausch von Sprach- und Videobotschaften, z.B. mit einer Partnerschule. Statt wie bisher Briefe oder E-Mails, kann nun das gesprochene Wort über das Internet ausgetauscht, angehört und beantwortet werden. Wenn Sie mit Ihrer Klasse z.B. einen eigenen Podcast erstellen, können sich Ihre Schüler und die Schüler der Partnerschule über die Podcastwebsite austauschen. Dabei muss der Podcast natürlich nicht bei iTunes angemeldet werden und kann so "geheim", also nur Ihren Schülern und den Schülern der Partnerschule zugänglich gemacht werden. (siehe auch: eigene Podcasts erstellen)

Hörverstehensaufgaben
Was bisher fast nur in der Schule möglich ist, nämlich SchülerInnen fremdsprachige Texte inklusive Hörverstehensaufgabe anhören zu lassen, kann nun über das Internet geschehen. Bei durchschnittlichen Klassenstärken von 30 SchülerInnen und mehr, ist es schon logistisch kaum möglich, jedem Lerner das Hörbeispiel auf Kassette oder CD mit nach Hause zu geben. Also findet Hörverstehen überwiegend in der Schule statt - durch das gesprochene Wort des Lehrers, oder durch die Verwendung der Lehrbuch-CD mit entsprechenden Hörtexten.

Michael Fromm - Zuhören
Per Podcasting ist es nun möglich, Schülern den Hörtext über das Internet zur Verfügung zu stellen. Der Lehrer erstellt nur noch eine MP3 Datei, die die Schüler dann zu Hause anhören können. Und zwar so oft sie möchten. Die oft geforderte Binnendifferenzierung geschieht hier praktisch "nebenbei" - der gute Schüler hört sich die MP3 Datei vielleicht nur ein einziges Mal an und beantwortet die gestellten Fragen sofort, während der schwächere Schüler sich die Audiodatei öfter anhören, ggf. stoppen und zurücklaufen lassen kann. Die SchülerInnen bestimmen ihr Lerntempo selbst - und jeder Schüler bekommt die Chance, Hörverstehen zu üben. Achtung, Falle: Es ist NICHT erlaubt, die Hörverstehenstexte der Schulbuch-CDs über einen Podcast an Schüler weiter zu reichen, auch wenn die Versuchung groß sein mag!

Sprachproduktion
Wie sieht die typische Hausaufgabe im Fremdsprachenunterricht aus? "Schreibt einen Brief über...", "Verfasst einen Kommentar zu..." etc. In allen Fällen schreiben die Schüler. Und lesen das geschrieben Wort spätzer im Unterricht wieder vor. Sprachproduktion geschieht in der Realität aber zumeist mündlich und nicht vorformuliert. Viele Schüler sind, selbst wenn Sie im Sprachunterricht mit zu den besten gehören, völlig überfordert, wenn Sie ad hoc Englisch/Französisch/Spanisch/Italienisch sprechen sollen - sie können ja nichts vorformulieren. Also soll und muss in der Schule Sprachproduktion eine zentrale Rolle spielen.
Loudblog Administration
Über ein Audiobloggingsystem wie Loudblog bzw dessen Nachfolger Podhawk ist es nun möglich, Schüler ihre Hausaufgaben aufnehmen und als Podcast veröffentlichen zu lassen. Hierzu wird die Kommentarfunktion der Bloggingsoftware genutzt. Die Schüler müssen ihre Hausaufgaben hier nicht mehr aufschreiben, sondern aufsprechen. Ein weiterer Vorteil: Dadurch, dass Loudblog (bzw. Podhawk) die Kommentare mit einem eigenen RSS-Feed versieht, kann der Lehrer die Kommentare "abonnieren" und wird automatisch benachrichtigt, sobald ein Schüler die Aufgabe gelöst und ins Internet geladen hat.

Eine solche Lösung bietet sich natürlich als schulinterne Anwendung an, die nicht über iTunes oder einen anderen Verzeichnisdienst öffentlich zugänglich gemacht wird. Die Chance, dass irgendjemand Spaß daran findet, den Englisch-Hausaufgaben-Podcast einer Klasse 9 eines beliebigen Gymnasiums über iTunes zu abonnieren geht wahrscheinlich gegen Null :-)